Los Angeles (dpa) – Mit 60 Jahren tritt Brad Pitt nicht auf die Bremse – ganz im Gegenteil. Der Hollywood-Star, der heute sein rundes Jubiläum feiert, ist Hauptdarsteller eines neuen Films über die Formel 1.

In dem geplanten Action-Spektakel unter der Regie von Joseph Kosinski («Top Gun: Maverick») mimt Pitt einen Rennfahrer-Veteranen, der aus dem Ruhestand zurückkehrt, um gemeinsam mit einem Nachwuchsfahrer (Damson Idris) gegen die Formel-1-Elite anzutreten.

Die Dreharbeiten waren schon im Frühsommer angelaufen, doch dann bremste der monatelange Hollywood-Streik die Produktion teilweise aus. Aber sie würden nächstes Jahr weiterfilmen, verriet Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton Mitte November beim Grand Prix von Las Vegas. Der 38 Jahre alte Mercedes-Pilot ist bei dem Film Berater und Co-Produzent.

«Er sieht aus, als würde er rückwärts altern»

Pitt gab schon im Juli auf der Rennstrecke im britischen Silverstone Gas. Dort wurde eine eigene Garage für den fiktiven Rennstall um den Superstar hergerichtet. «Es ist großartig hier zu sein», sagte der Oscar-Preisträger damals dem Sender Sky Sports. «Ich habe hier die Zeit meines Lebens.» Zweifel, ob ein bald 60-Jähriger als Formel-1-Pilot authentisch wirken könnte, hatte Hamilton beiseitegeschoben. «Er sieht aus, als würde er rückwärts altern. Er ist super fit», bescheinigte der siebenmalige Champion dem Hollywoodstar.

Zehn Jahre zurück, kurz vor seinem 50. Geburtstag, sorgte Pitt mit Hochzeitsgerüchten für Schlagzeilen. Nach fast zehn Jahren Beziehung und mehr als zwei Jahren Verlobung gaben sich Pitt und Angelina Jolie im August 2014 auf ihrem Weingut Château Miraval an der Côte d’Azur das Jawort. Am Set des Films «Mr. und Mrs. Smith» hatten sie sich kennengelernt, sie spielten miteinander verheiratete Undercover-Killer.

«Brangelina» hielt nur zwei Jahre

«Brangelina» war lange ein Markenname für eine fast perfekte Beziehung, Karriere und Großfamilie. Die Eltern von sechs Kindern, drei leibliche und drei adoptierte, zählten zu den Top-Verdienern der Filmbranche und setzten sich auch noch weltweit für soziale und humanitäre Zwecke ein.

Doch schon im Herbst 2016 kam das Ehe-Aus. Jolie reichte die Scheidung ein. Sie warf Pitt Handgreiflichkeiten gegenüber ihr und den Kindern vor. Es folgten Streitigkeiten über Sorgerecht und Finanzen.

Acht Monate nach der überraschenden Trennung sprach Pitt erstmals öffentlich über die gescheiterte Beziehung und sein Leben danach. Im Interview mit der US-Zeitschrift «GQ Style» erzählte der Schauspieler, dass er in Therapie sei und von Alkohol Abstand halte. Er habe vorher zu viel getrunken und viele der Probleme selbst verschuldet, räumt Pitt in dem langen und sehr persönlichen Interview ein. Er wolle nun ein gesünderes Leben führen und mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen.

Karriere-Schritte

Er selbst war als ältestes von drei Kindern streng religiöser Eltern im mittleren Westen der USA aufgewachsen. Sein Studium an der Universität von Missouri warf er 1985 hin, er wollte Schauspieler werden. In Kalifornien schlug er sich erst mit Werbespots, dann mit kleinen Fernsehrollen durch. Neben dem gleichaltrigen Johnny Depp war Pitt als Mittzwanziger in der Highschool-Komödie «21 Jump Street» zu sehen.

Der Durchbruch auf der Leinwand kam in einer kleinen Rolle als blonder Verführer von Geena Davis in dem Road-Movie «Thelma und Louise» (1991). Robert Redford heuerte ihn gleich als Hauptdarsteller für sein Familiendrama «Aus der Mitte entspringt ein Fluss» an. Ein Jahr später spielte er in «Kalifornia» einen brutalen Serienkiller. Mit Co-Star Juliette Lewis hatte der Newcomer eine Romanze.

Mitte der 90er Jahre war er mit «Sieben»-Filmpartnerin Gwyneth Paltrow liiert, dann lernte der Frauenliebling «Friends»-Star Jennifer Aniston kennen. Bei ihrer Trauung in Malibu im Sommer 2000 kreisten die Paparazzi in Helikoptern über der Pazifikküste. Das «People»-Magazin wählte ihn gleich zwei Mal zum «Sexiest Man». Die Ehe ging 2005 auseinander, als er Jolie kennenlernte.

Endlich gewinnt Pitt einen «Oscar»

Beruflich ging es mit der «Ocean’s Eleven»-Reihe, «Troja», «Babel», «Inglourious Basterds», «The Tree of Life» und «World War Z» quer durch alle Filmgenres weiter. Nach drei Oscar-Nominierungen als Neben- und Hauptdarsteller für «12 Monkeys» (1996), «Der seltsame Fall des Benjamin Button» (2009) und «Die Kunst zu gewinnen – Moneyball» (2012) triumphierte Pitt 2014 erstmals auf der Oscar-Bühne. Nicht als Schauspieler, sondern als Mit-Produzent des Sklavendramas «12 Years a Slave», das den Top-Oscar als bester Film holte.

Den zweiten Oscar gab es dann 2020 für seine Schauspielkünste – als Stuntman Cliff Booth in Quentin Tarantinos «Once Upon a Time in Hollywood». In der Nebenrolle verkörperte er den loyalen Freund eines alternden Stars (Leonardo DiCaprio) im Hollywood von 1969, zur Zeit der Manson-Mordserie. In seiner Dankesrede widmete Pitt den Oscar seinen Kindern. «Ihr macht alles bunt, was ich tue», sagte der damals 56-Jährige bei den Academy Awards.

In der Actionkomödie «Bullet Train» spielte Pitt im vorigen Jahr einen Auftragskiller, der in einem japanischen Schnellzug zuschlagen soll, doch eigentlich keine Gewalt mag. Bei der Berliner Kinopremiere im Sommer 2022 sinnierte er über sein eigenes Seelenleben. «Je älter ich werde, desto mehr beschäftige ich mich mit Themen wie Spiritualität und Psychologie. Das hilft», sagte er.

Wenig später kam er dann mit dem wilden Filmspektakel «Babylon – Rausch der Ekstase» auf die Leinwand. Unter der Regie von Damien Chazelle und an der Seite von Margot Robbie glänzte er als gefeierter Movie-Star im frühen Hollywood der 1920er Jahre.

Eine Anfrage bei Pitts Sprecherteam, wie er seinen 60. Geburtstag feiern werde, blieb ohne Antwort. Zum Älterwerden äußerte sich der Schauspieler vor einem guten Jahr im Interview der britischen «Vogue». «Ich möchte nicht vor dem Altern wegrennen», sagte Pitt. «Das ist ein Konzept, dem wir nicht entkommen können, und ich würde lieber sehen, wie unsere Kultur dies mit etwas offeneren Armen begrüßt.»

Pitt betreibt eine eigene Hautpflegeserie und lehnte dabei ein Produktversprechen wie «Anti-Aging» (etwa: Altersverhinderung) nach eigenen Worten ab: «Das ist lächerlich, ein Märchen». Wichtig sei es, sich selbst lieben zu lernen und sich besser zu behandeln. «Altere einfach gesund, altere auf eine gesunde Weise.»