Los Angeles (dpa) – Der deutsche Film «Das Lehrerzimmer» von Regisseur Ilker Çatak (39) ist einer möglichen Oscar-Trophäe ein ganzes Stück näher gekommen. Auch Wim Wenders (78) rückte mit seinem Film «Perfect Days» im Oscar-Wettbewerb einen Schritt weiter.

Beide Filme schafften es auf die sogenannte Shortlist von insgesamt fünfzehn Kandidaten, wie die Oscar-Akademie im kalifornischen Beverly Hills mitteilte. 88 Länder hatten sich für 2024 um den Oscar in der Sparte «International Feature Film» beworben. Fünf Filme kommen später in die Endauswahl.

«Das Lehrerzimmer» erzählt von einem Konflikt an einer Schule, der aus dem Ruder läuft. Im Zentrum steht eine junge Lehrerin (Leonie Benesch), die eine Diebstahlserie an ihrer Schule aufklären will. «Unter den letzten 15 Filmen, in der Shortlist für den Auslands-Oscar zu sein, bedeutet uns als gesamtes Team unglaublich viel», teilte Çatak der Deutschen Presse-Agentur mit. «Wir hoffen, dass der Film nun noch mehr Menschen erreicht und dadurch Aufmerksamkeit auf die oft unterschätze Arbeit von Lehrkräften weltweit lenkt.» Das Schuldrama war Ende August von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films, als Deutschlands Kandidat für den Oscar-Wettbewerb ausgesucht worden.

Wenders: «Was für eine Ehre»

Wenders drehte seinen poetischen Film «Perfect Days» in Tokio – der Film geht für Japan in das Rennen um den Auslands-Oscar. «Was für eine Ehre, das Land von Yasujiro Ozu, Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi und so vielen Großen mehr repräsentieren zu dürfen», sagte Wenders in einer Mitteilung mit Blick auf berühmte japanische Regisseure. Im September hatte Wenders‘ Film den Gildepreis der Deutschen Filmkunsttheater als «Bester ausländischer Film» gewonnen.

Damit sei er dafür gewappnet, «die japanischen Farben im Oscar-Rennen um den „Besten Internationalen Spielfilm“ zu vertreten», fügte Wenders hinzu. «Mir ist aber durchaus bewusst, dass ich da eigentlich nur als sidekick meines wunderbaren Schauspielers Kōji Yakusho dabei bin.» «Perfect Days» spielt in Tokio und erzählt von einem Mann namens Hirayama (Yakusho), der als Toiletten-Reiniger arbeitet, mit seinem einfachen Leben zufrieden scheint und sehr im Moment lebt.

Wenders war bereits dreimal für einen Oscar nominiert: 2000 mit der Musiker-Doku «Buena Vista Social Club», 2012 mit dem 3D-Tanzfilm «Pina» über Pina Bausch sowie 2015 mit der Doku «Das Salz der Erde» über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Am Ende ging der Regisseur aber immer leer aus.

Freude über gegenseitigen Erfolg

Das mögliche Aufeinandertreffen zweier deutscher Regisseure in der Sparte «International Feature Film» bei der Oscar-Vergabe wäre ein Ausnahmefall. Im September hatten Wenders und Çatak beide ihre Filme beim Telluride-Filmfest im US-Bundesstaat Colorado gezeigt. Von dem Zusammentreffen mit seinem «Idol» schwärmte Çatak im Oktober im dpa-Gespräch. Er sei mit Wenders‘ Filmen groß geworden und nun freuten sie sich über den gegenseitigen Erfolg.

Neben Deutschland und Japan sind unter anderem Länder wie Frankreich («Geliebte Köchin»), Italien («Io capitano»), Großbritannien («The Zone of Interest»), Spanien («Die Schneegesellschaft») und die Ukraine («20 Days in Mariupol») vertreten. Bei drei weiteren Kandidaten – aus Finnland («Fallende Blätter»), Dänemark («The Promised Land») und Tunesien «Four Daughters» – sind nach Angaben von German Films auch deutsche Produktionsfirmen beteiligt.

Spannend wird es nun wieder am 23. Januar, wenn in Hollywood die Finalisten in allen Wettbewerbs-Sparten verkündet werden. Die Verleihung der Oscars soll dann am 10. März 2024 über die Bühne gehen.