Los Angeles/Berlin (dpa) – Vor drei Jahrzehnten kamen einige Meisterwerke ins Kino. Glaubt man der Liste der bestbewerteten Filme in der Filmdatenbank IMDb (Internet Movie Database, die global wohl maßgeblichste Filmbewertungsstelle), so könnte man 1994 sogar als das beste Filmjahr überhaupt betrachten. Denn: In den Top Ten ist es das einzige Produktionsjahr, das zweimal vorkommt – mit dem Gefängnisfilm «Die Verurteilten» und dem Gangsterfilm «Pulp Fiction».

In den deutschen Kinos mit Abstand am erfolgreichsten war vor 30 Jahren der Disney-Zeichentrick «Der König der Löwen». Wichtige Kultfilme waren ’94 beispielsweise auch Ben Stillers «Reality Bites – Voll das Leben» mit Winona Ryder und Ethan Hawke, Ang Lees «Eat Drink Man Woman», Danny Boyles «Kleine Morde unter Freunden» sowie Krzysztof Kieslowskis «Drei Farben – Weiß» und «Drei Farben – Rot».

Eine Auswahl kleiner und großer Meisterwerke von 1994:

«Die Verurteilten»

In den Top 250 der IMDb belegt der Film seit 2008 den ersten Platz. Der Film von Frank Darabont beruht auf einer Stephen-King-Geschichte mit dem Titel «Hope Springs Eternal: Rita Hayworth and Shawshank Redemption» (deutscher Titel: «Frühlingserwachen: Pin-up»). Ein Poster von Hollywoodstar Hayworth hat eine relevante Rolle in der Handlung. Der Originaltitel des Films, der auf eine Schlusspointe zuläuft, lautet «The Shawshank Redemption». In dem Drama geht es um die tiefe Freundschaft zweier Gefängnisinsassen (gespielt von Tim Robbins und Morgan Freeman) – und allgemein um Hoffnung.

«Pulp Fiction»

Chuck Berrys «You Never Can Tell»: Die Tanzszene der Figuren Vincent und Mia (John Travolta und Uma Thurman) mit dem Handzug zweier Finger in Augenhöhe ging in die Filmgeschichte ein. Der groteske Gangsterfilm von Quentin Tarantino war ein Kritikerliebling. Das Werk mit seinen lakonischen Dialogen gewann in Cannes die Goldene Palme. Die schwarze Komödie wartet mit Darstellern wie Samuel L. Jackson, Bruce Willis und Harvey Keitel auf. Die gewaltvolle Handlung besteht aus drei verwobenen Episoden in Los Angeles. Die Handlung voran treibt ein Koffer, dessen Inhalt die Zuschauer nie zu sehen kriegen.

«Forrest Gump»

Das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen, man wisse nie, was man bekomme. Weisheiten wie diese füllen die Tragikomödie von Regisseur Robert Zemeckis («Zurück in die Zukunft»), die in Deutschland im Oktober ’94 ins Kino kam. In dem Märchen wandelt der geistig eingeschränkte Forrest unbedarft auf der Suche nach Glück durch die Zeitgeschichte. Aufsehen erregten die Szenen, in denen mittels Computertechnik Hauptdarsteller Tom Hanks in Originalaufnahmen historischer Ereignisse eingebaut wurde, zum Beispiel John F. Kennedy die Hand schüttelt. Der Film gewann 1995 sechs Oscars. Hanks bekam den zweiten Hauptdarsteller-Oscar in Folge – nach der Auszeichnung für die Rolle des Aidskranken Andrew in «Philadelphia».

«Schindlers Liste»

Deutscher Kinostart war Anfang März ’94, bei der Oscarverleihung ein paar Wochen später räumte Steven Spielbergs Holocaust-Drama mit Liam Neeson in der Hauptrolle sieben Preise ab. Im Jahr zuvor hatte Spielberg mit dem Dino-Thriller «Jurassic Park» und dessen Computeranimationen das Blockbuster-Kino auf eine neue Grundlage gestellt. Mit «Schindlers Liste» schuf er ein maßgebendes Werk historischer Aufklärung, an dem auch kontrovers diskutiert wurde, ob der staatlich organisierte Völkermord an den europäischen Juden durch Nazi-Deutschland mit filmischen Mitteln überhaupt darstellbar sei.

«Speed»

Jan de Bonts rasanter Actionfilm mit Sandra Bullock, Keanu Reeves und Dennis Hopper setzte neue Maßstäbe in Sachen Spannung. Ein Bus ist mit einer Bombe präpariert, die scharf wird, wenn der Linienbus schneller als 50 Meilen pro Stunde fährt, und sie explodiert, wenn der Bus unter diese umgerechnet etwa 80 Stundenkilometer gerät. «Das Lexikon des internationalen Films» nennt den meisterhaft montierten Film einen «Höhepunkt des Actionkinos». «Nicht nur ein spannender Genrefilm, sondern ein Essay über die Essenz des Kinos: die Bewegung.»

«Léon – Der Profi»

Der furios geschnittene Gangsterfilm von Luc Besson erzeugt einen Sog und hat einen martialischen Showdown. Es geht um die gefühlvolle Freundschaft des New Yorker Mafia-Auftragsmörders Léon (Jean Reno) mit dem zwölfjährigen verwaisten Nachbarmädchen Mathilda (Natalie Portman). Die Geschichte ist so unwahrscheinlich und unmoralisch, wie sie nur die (Alp-)Traumfabrik erschaffen kann.

«Vier Hochzeiten und ein Todesfall»

In der britischen Liebeskomödie spielen – für damalige Verhältnisse recht lässig – ein schwules Paar und ein Gehörloser recht wichtige Rollen. Am Ende küssen sich Andie MacDowell und Hugh Grant im strömenden Regen und MacDowells Figur Carrie fragt Charlie: «Regnet’s noch? Ich hatte es gar nicht bemerkt.» (Is it still raining? I hadn’t noticed). Für manche ist das eine der romantischsten Szenen der Filmgeschichte, für andere die schlechteste Dialogzeile aller Zeiten.