Stockholm (dpa) – Näher wird Deutschland einer Königin vermutlich niemals kommen. Die in Heidelberg geborene Silvia von Schweden ist seit einem halben Jahrhundert nicht nur die Frau an der Seite des schwedischen Monarchen Carl XVI. Gustaf (77), sondern auch so etwas wie Deutschlands Aushängeschild in der royalen Welt. Voller Akribie und Disziplin hat die einstige Olympia-Hostess das Amt der Königin neu definiert und zu einem Vollzeit-Job gemacht, bei dem es um viel mehr geht, als bloß die lächelnde Frau an der Seite des Königs zu sein. Am Samstag (23. Dezember) wird Silvia nun 80 Jahre alt – ein Alter, das man ihr kaum ansieht oder anmerkt.

«Sie hat weiterhin ein phänomenales Gedächtnis», berichtet etwa die Königshausexpertin Leontine Gräfin von Schmettow, die die Königin für die ARD-Dokumentation «Silvia – zur Königin geboren» jüngst auf Schloss Drottningholm bei Stockholm interviewt hat. In ihren Kommentaren sei Silvia stets äußerst präzise, auch zwischen den Sprachen könne sie mühelos hin- und herwechseln.

Lange Arbeitstage

Lange Arbeitstage machten der Königin nichts aus, sagt von Schmettow. «Es ist wirklich unglaublich: Wenn wir nach einem langen Tag mit viel Programm und Terminen abends fix und alle sind, dann steht sie noch mit strahlendem Gesicht im Abendkleid bei einem Staatsbankett und geht aufmerksam auf die Menschen ein. Sie ist vielleicht vom lieben Gott mit besonders viel Energie beschenkt worden.»

Vielleicht ist es auch die Familie, die der dreifachen Mutter und achtfachen Oma im gehobenen Alter weiterhin als Kraftquelle dient. Gerade für Kronprinzessin Victoria habe Silvia eine «unglaublich wichtige Vorbildfunktion», sagt von Schmettow.

Heidelberg, São Paulo, München und Stockholm

Zur Welt gekommen ist die bürgerliche Silvia Sommerlath einen Tag vor Weihnachten 1943 in Heidelberg. Als Tochter eines deutschen Geschäftsmannes und dessen brasilianischer Frau wuchs sie viele Jahre lang in São Paulo auf, ehe sie als Jugendliche mit ihrer Familie nach Deutschland zurückkehrte. Schon früh interessierte sie sich für Sprachen – dieses Talent ebnete ihr später auch den Weg zum Job als Chef-Hostess bei den Olympischen Spielen in München 1972.

Dort beobachtete sie ein prominenter Olympia-Gast mit eigenwilligem Humor aus nächster Nähe mit einem Fernglas: Schwedens heutiger König Carl XVI. Gustaf, damals noch Kronprinz. Die beiden gingen gemeinsam Essen und wurden ein Paar, das 1976 in Stockholm heiratete. In den Folgejahren kamen ihre Kinder Victoria (46), Prinz Carl Philip (44) und Prinzessin Madeleine (41) zur Welt.

Retterin der schwedischen Monarchie

Für den ungelenken Carl Gustaf war die elegante Silvia ein echter Glücksfall. Als er 1973 König wurde, befand sich die schwedische Monarchie in einer tiefen Krise. In der Politik wurde laut über einen Systemwechsel hin zur Republik nachgedacht.

Silvia kam da gerade recht. «Als der König dann Silvia heiratete, bezauberten die beiden das schwedische Volk und die Stimmung änderte sich», sagt der frühere schwedische Außenminister Jan Eliasson in der ZDF-Dokumentation «Silvia. Schwedens deutsche Königin», für die die Filmemacherin Julia Melchior ebenfalls mit Silvia sowie vielen ihrer Weggefährten gesprochen hat.

Die damalige Monarchie-Müdigkeit der Schweden, so wird in der Doku deutlich, wurde von der charismatischen Silvia innerhalb kurzer Zeit weggepustet. Die schwedische Bevölkerung habe sie mit viel Herzenswärme, Unterstützung und Akzeptanz aufgenommen, berichtet Silvia im Interview mit Königshaus-Expertin Melchior. Gerade einmal ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg war das für eine Deutsche sicherlich keine Selbstverständlichkeit.

Seitdem gilt Königin Silvia mit ihrer Disziplin, Bescheidenheit und Zielstrebigkeit für viele in dem skandinavischen Land als Vorbild. Ihr selbst wird angesichts ihrer Herkunft oft nachgesagt, ein brasilianisches Herz mit einem deutschen Kopf und einer schwedischen Seele zu vereinen. Zugute kam ihr auch, dass es kein Regelwerk für das Königinnenamt gab, an das sie sich hätte halten müssen. «Ich habe also die Freiheit gehabt, das zu tun, was ich für richtig halte und was auch mein Mann für richtig hielt», sagt Silvia in der ZDF-Doku.

Einsatz für Kinder und Demenzkranke

Für richtig hielt und hält Silvia vor allem die Wohltätigkeitsarbeit, gerade diejenige für Demenzkranke und für Kinder. Unter anderem gründete sie 1999 die World Childhood Foundation, die sich für Kinder in aller Welt einsetzt und in der ihre jüngste Tochter Madeleine mittlerweile ihre Stellvertreterin als Ehrenvorsitzende ist. Auch privat sind die Kinder das Größte für Silvia. «Mit einer wachsenden Schar an Enkelkindern ist das Zusammensein mit der Familie das, was die Königin am liebsten tut, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet», schreibt das schwedische Königshaus über sie.

Ob Familienmensch oder Berufskönigin: Was Silvia tut, das tut sie stets mit vollem Einsatz. «Silvia lebt ihre Rolle. Sie hat dabei eine wirklich sehr königliche Ausstrahlung, eine majestätische Aura», erzählt Melchior. «Sie kann auch sehr warm und sehr witzig sein – aber wenn du ihr gegenübersitzt, dann vergisst du nie, dass dort eine Königin sitzt.» Das merke man an ihrer Haltung, ihren Bewegungen und Gesten und auch daran, was sie denke und von sich gebe.

Ihrer Vorbildrolle und ihrem guten Herz bleibt Silvia auch zu ihrem 80. Geburtstag treu. Wer ihr ein Geschenk bereiten wolle, der solle in erster Linie an Projekte für Kinder in der Ukraine denken, die wegen des russischen Angriffskriegs in ihrem Land unter psychischen Erkrankungen leiden, wünschte sich die Königin vorab. Im Vorfeld ihres Ehrentages startete sie dafür unter anderem eine Spendenaktion, bei der noch bis Ende des Jahres gespendet werden kann. Ihren Geburtstag selbst, so verlautet aus dem Königshaus, wird Silvia letztlich im Privaten feiern – natürlich mit ihrer Familie.