Wie ein kurzer TikTok-Ausfall den ganzen Werbemarkt durcheinandergebracht hat

Manchmal reichen 14 Stunden, um zu zeigen, wie fragil unser digitales Werbesystem eigentlich ist. Der TikTok-Ausfall im Januar brachte etwas Interessantes ans Licht: Die Werbepreise bei Meta – also Facebook und Instagram – schossen regelrecht durch die Decke. Um 10 bis 12 Prozent, haben Forscher der Columbia Business School herausgefunden. Das mag auf den ersten Blick nicht nach viel klingen, aber für die Werbebranche war dieser TikTok-Ausfall ein echter Schock.

Was da passiert ist, zeigt eigentlich ziemlich deutlich, wie abhängig wir alle von ein paar großen Plattformen geworden sind. Große Konzerne mit dicken Werbebudgets? Die haben das ganz locker weggesteckt. Kleine Betriebe hingegen – die standen plötzlich vor einem echten Problem. Und das Ganze gibt uns schon mal einen Vorgeschmack darauf, was passieren würde, wenn TikTok wirklich dauerhaft verschwindet.

Preisschock bei Meta – so schnell kann’s nach einem TikTok-Ausfall gehen

Die Sache mit Angebot und Nachfrage funktioniert im Internet genauso wie auf jedem anderen Markt. TikTok war weg, die Werbetreibenden mussten irgendwo anders hin mit ihren Kampagnen. Und wohin sind sie gegangen? Richtig, zu Meta. Innerhalb von Stunden war die Nachfrage nach Werbeplätzen bei Facebook und Instagram deutlich höher – die verfügbaren Werbeflächen blieben aber gleich.

Das Ergebnis: Werbepreise stiegen um 10 bis 12 Prozent, und zwar quasi über Nacht. Was das zeigt? TikTok war offensichtlich ein wichtiger Konkurrent, der die Preise niedrig gehalten hat. Ohne diese Konkurrenz konnte Meta die Preise einfach anziehen. Übrigens war die Geschwindigkeit dieser Reaktion schon beeindruckend – oder beunruhigend, je nachdem wie man’s sieht.

Meta war natürlich der große Gewinner dieser ganzen Geschichte, schließlich waren sie der direkteste Konkurrent zu TikTok. Aber es macht auch klar: Wenn TikTok wirklich dauerhaft verschwinden würde, hätten wir ein echtes Monopolproblem. Die Auswirkungen dieser kurzen Unterbrechung gaben bereits einen Einblick in die Marktmacht, die wenige große Plattformen innehaben.

David gegen Goliath – nur dass David hier verliert

Hier wird’s richtig interessant. Während große Unternehmen ihre Werbeausgaben bei Meta um satte 66 Prozent erhöht haben, konnten kleine Betriebe gerade mal 26 Prozent drauflegen. Und – das ist der Knackpunkt – die Großen haben ihre hohen Ausgaben auch nach TikToks Rückkehr beibehalten. Die Kleinen? Sind schnell wieder abgesprungen.

Das liegt nicht daran, dass kleine Unternehmen weniger schlau wären – sie haben einfach weniger Geld und weniger Expertise. TikTok war für viele ein Segen, weil die Werbekosten dort etwa halb so hoch waren wie bei Meta. Das haben CPM-Daten aus dem ersten Quartal 2024 gezeigt. Wegfall dieser günstigen Alternative? Das trifft kleine Betriebe richtig hart.

Dabei ist es echt frustrierend: Gerade diese kleineren Unternehmen brauchen bezahlbare Werbemöglichkeiten am meisten. Sie haben nicht die Ressourcen für große Marketing-Teams oder ausgeklügelte Multi-Plattform-Strategien. TikTok war für viele der einzige Weg, überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben – zumindest was Online-Marketing angeht. Die Diversifikation der Werbeausgaben wird für kleinere Betriebe immer schwieriger, wenn kostengünstige Alternativen wegfallen.

Was eine dauerhafte TikTok-Sperre wirklich bedeuten würde

Jetzt wird’s ernst. TikTok selbst schätzt, dass kleine Unternehmen monatlich über eine Milliarde Dollar an Umsatzeinbußen erleiden würden, wenn die Plattform dauerhaft verschwindet. Eine Milliarde – pro Monat! Das ist kein Kleingeld mehr. Diese Zahlen basieren auf aktuellen Nutzungsdaten und dem durchschnittlichen Return on Investment, den Unternehmen über TikTok-Werbung erzielen.

Aber es geht um mehr als nur Geld. Der digitale Werbemarkt würde sich noch weiter konzentrieren. Meta und Google kontrollieren bereits über 50 Prozent aller digitalen Werbeeinnahmen. Ohne TikTok als Konkurrent würde diese Dominanz noch krasser werden. Und höhere Werbekosten wären dann nicht mehr nur ein temporäres Problem, sondern die neue Normalität.

Kleine Unternehmen kämpfen ohnehin schon mit Inflation, steigenden Zöllen und zurückgehender Kaufkraft der Verbraucher. Wenn dann auch noch die Werbekosten dauerhaft steigen – das könnte für viele das Aus bedeuten. Wobei das eigentliche Problem der Marktkonzentration dadurch überhaupt nicht gelöst würde, sondern nur verschärft. Die Marktstellung von Meta würde sich durch den Wegfall eines wichtigen Konkurrenten erheblich stärken.

Eigentlich hatte TikTok eine wichtige Funktion: Es hat Meta davon abgehalten, die Preise beliebig zu erhöhen. Dieser Wettbewerbsdruck fällt weg – und dann haben wir halt ein echtes Problem. Die Plattform hatte sich als ernstzunehmende Alternative etabliert, die besonders für jüngere Zielgruppen attraktiv war und damit einen wichtigen Marktanteil erobert hatte.

Wie sich Unternehmen jetzt schon vorbereiten

Die Unsicherheit rund um TikTok hat schon jetzt Folgen. Viele Unternehmen zögern, langfristig in TikTok-Strategien zu investieren – wer weiß schon, ob die Plattform nächsten Monat noch da ist? Das kostet bereits Geld und Chancen. Marketing-Budgets werden vorsichtiger verteilt, und langfristige Kampagnenplanungen werden schwieriger.

Große Unternehmen diversifizieren ihre Marketing-Strategien und setzen verstärkt auf E-Mail-Marketing und CRM-Systeme. Die haben die Ressourcen dafür. Kleine Betriebe müssen kreativer werden: engere Zielgruppenansprache, längere Kampagnenlaufzeiten – alles um ihre begrenzten Budgets optimal zu nutzen. Einige setzen bereits verstärkt auf organische Reichweite und Community-Building, um weniger abhängig von bezahlter Werbung zu werden.

Marketing-Teams entwickeln bereits Notfallpläne. Allerdings ist das leichter gesagt als getan, wenn man nicht das Budget hat, auf fünf verschiedenen Plattformen gleichzeitig aktiv zu sein. Die optimale Lösung wäre eigentlich, die Sicherheitsbedenken zu lösen, ohne gleich den ganzen Wettbewerb zu eliminieren – aber das ist halt kompliziert. Alternative Plattformen wie YouTube Shorts oder Instagram Reels versuchen bereits, von der Unsicherheit zu profitieren und werben aktiv um TikTok-Nutzer.

Was bleibt? Unternehmen müssen lernen, weniger abhängig von einzelnen Plattformen zu werden. Das ist besonders für kleinere Betriebe eine Herausforderung, aber angesichts der regulatorischen Unsicherheiten wohl unvermeidlich. Die ganze Situation zeigt jedenfalls, wie schnell sich der digitale Werbemarkt verändern kann – und wie wichtig echter Wettbewerb für faire Preise ist. Der kurze TikTok-Ausfall war letztendlich nur ein Vorgeschmack auf das, was bei einer dauerhaften Sperrung passieren könnte.